Magdeburger Universitätsmedizin schafft Voraussetzungen für Wissensaustausch über Forschung und Krankenversorgung

Magdeburg, 3. Juni 2019. Universitätsklinika in ganz Deutschland arbeiten derzeit daran, ihr Wissen aus Forschung und Krankenversorgung miteinander zu teilen. Dies ermöglicht es unter anderem, Patientinnen und Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern auf der Grundlage einer großen Anzahl an ähnlichen Fällen noch passgenauere Therapien anzubieten. Die technischen und organisatorischen Lösungen hierfür werden mit sogenannten Datenintegrationszentren geschaffen. Auch die  Universitätsmedizin Magdeburg baut derzeit solch ein Datenintegrationszentrum, kurz DIZ, auf. Am 3. Juni 2019 ist der offizielle Startschuss für dessen Arbeit gefallen.

Datenintegrationszentren sind ein Kernbestandteil der 2018 gestarteten Medizininformatik-Initiative (MII) des Bundes. Dieser unterstützt mit insgesamt 150 Millionen Euro vier Netzwerke von Universitätsklinika bei der Schaffung der IT-Infrastrukturen für einen sicheren Wissensaustausch. Die Magdeburger Universitätsmedizin gehört zum bundesweit größten Netzwerk MIRACUM (Medical Informatics in Research and Care in University Medicine). Im DIZ werden die derzeit unterschiedlichen Dateninseln aus Krankenversorgung und Forschung zusammengeführt, um die Informationen lokal und standortübergreifend nutzen zu können.

Das DIZ Magdeburg nimmt zunächst vier konkrete Projekte in Angriff:

  • Vorhersagen für den Verlauf von Hirntumoren, Asthma und der Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung: Es wird ein System entwickelt, mit dem sich Ärzte über den Verlauf der jeweiligen Erkrankung austauschen können. Dies soll ihnen helfen zu bewerten, wie aussichtsreich die Anwendung einer Therapie unter bestimmten Bedingungen (z.B. Alter, Schwerpunkt der Erkrankung) ist.
  • IT-Unterstützung für molekulare Tumorboards: In molekularen Tumorboards beraten Experten unterschiedlicher Fachrichtungen über die Immuntherapie von Tumoren in Bezug auf konkrete Patientenfälle. Die Technik soll ermöglichen, dass die Expertenteams hierbei auf die Erfahrungswerte anderer Teams zurückgreifen können.
  • Hilfe bei der Diagnose und Therapie Seltener Erkrankungen: Es werden technische Voraussetzungen für den Austausch von Medizinern über die Diagnose und Therapie Seltener Erkrankungen geschaffen, was vor dem Hintergrund der geringen Fallzahlen von großer Bedeutung ist.
  • Unterstützung bei der Patientenrekrutierung: Wer eine medizinische Studie plant, soll die Möglichkeit erhalten, an Uniklinika die Anzahl infrage kommender Patienten abzurufen, um dann für die Rekrutierung Kontakt zu geeigneten Standorten aufnehmen zu können. Dies ist deshalb von großem Nutzen, weil Studien oft an zu geringen Teilnehmerzahlen scheitern.

Darüber hinaus können Kliniken der Magdeburger Universitätsmedizin weitere Projekte vorschlagen.

DIZ-Eröffnung UK Magdeburg
Beim Startschuss für die Arbeit des Datenintegrationszentrums Magdeburg (v.l.n.r.): Dr. Harald Hofmann (stellv. Leiter Geschäftsbereich IT und Medizintechnik am Universitätsklinikum Magdeburg), Prof. Dr. Hermann-Josef Rothkötter (Dekan der Medizinischen Fakultät und MIRACUM PI am Standort Magdeburg), Dr. Tim Herrmann (MIRACUM Projektkoordinator am Standort Magdeburg), Prof. Dr. Monika Brunner-Weinzierl (Prorektorin für Forschung an der Universität Magdeburg), Sophie Haderer (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Koordinationsstelle), Prof. Dr. Dr. Johannes Bernarding (Direktor des Instituts für Biometrie und Medizinische Informatik, MIRACUM Geschäftsführender Projektleiter am Standort Magdeburg) Foto: Melitta Dybiona/Universitätsmedizin Magdeburg

Die Besonderheit des Informationsaustauschs über MIRACUM-Datenintegrationszentren besteht darin, dass Patientendaten nie einen Standort verlassen, womit den hohen Anforderungen an den Datenschutz Rechnung getragen wird. Benötigt ein Universitätsklinikum Informationen, verschickt es eine Anfrage. Jeder Standort ermittelt dann aus seinen Daten Zahlen zu erfragten Patientenfällen. Ein abstraktes Beispiel für solch eine Zahl: die Summe männlicher Patienten der Altersgruppe 60 bis 70 Jahre mit Krankheitsbild X, die mit der Therapie Y behandelt wurden und nun symptomfrei sind. Die Verwendung von Daten für die Forschung erfolgt grundsätzlich erst nach schriftlicher Einwilligung der Patienten.

 

Über die Medizininformatik-Initiative:

Ziel der MII ist die Verbesserung von Forschungsmöglichkeiten und Patientenversorgung durch innovative IT-Lösungen. Diese sollen den Austausch und die Nutzung von Daten aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung über die Grenzen von Institutionen und Standorten hinweg ermöglichen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die MII bis 2021 mit über 150 Millionen Euro. In den vier Konsortien DIFUTURE, HiGHmed, MIRACUM und SMITH arbeiten nahezu alle Einrichtungen der Universitätsmedizin in Deutschland an über 30 Standorten gemeinsam mit Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Krankenkassen und Patientenvertretern daran, die Rahmenbedingungen zu entwickeln, damit Erkenntnisse aus der Forschung direkt den Patienten erreichen können. Datenschutz und Datensicherheit haben dabei höchste Priorität.

Über MIRACUM:

Der Standort Magdeburg ist Teil des MIRACUM-Konsortiums. Dieses besteht aus zehn Universitäten mit Universitätsklinika in sieben Bundesländern, drei Hochschulen und einem Freiburger Unternehmen als Industriepartner. Die Leitung in Magdeburg erfolgt durch die Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität zusammen mit dem Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R..

>> Zur Pressemitteilung des Universitätsklinikums Magdeburg