Einheitliche standortübergreifende Datenerfassung
Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgehend wurden mit dem Förderkonzept „MedizinInformatik Initiative (MII)“ die Voraussetzungen für eine einheitliche und standortübergreifende Datenerfassung geschaffen, um zukünftig objektive Therapieentscheidungen basierend auf einer breiten Datenlage treffen zu können.
Es haben sich Universitäten mit ihren Universitätsklinika und weiteren, auch klinischen Partnern deutschlandweit zu vier Konsortien zusammengeschlossen.
„Wenn wir unsere Daten und Prozesse in der Routineversorgung über die Universitätsklinken standardisieren und diese für die Forschung nutzbar machen, werden wir entscheidende Fortschritte im Verständnis und in der Behandlung der Multiplen Sklerose erzielen.“
Prof. Bernhard Hemmer
Direktor der Klinik für Neurologie
Klinikum rechts der Isar
Der Anwendungsfall (Use Case) MS wird im Rahmen von DIFUTURE (Data Integration for Future Medicine – Datenintegration für zukünftige Medizin), eines der vier Konsortien der Medizininformatik, aktuell an fünf MS Zentren in Deutschland parallel durchgeführt: In München am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München sowie am Klinikum der Ludwig-Maximilians Universität, am Universitätsklinikum Tübingen, am Universitätsklinikum Augsburg und am Universitätsklinikum Ulm. Der ursprüngliche Use Case MS mit Start in 2019 wurde inzwischen um eine Langzeit-Nachbeobachtung erweitert, die über 10 Jahre die Krankheitsentwicklung begleitet.
Im Rahmen des Use Case MS werden alle Routinedaten einer Patientin/ eines Patienten, die im Zuge der medizinischen Abklärung erhoben wurden (z.B. kernspintomographische Daten, Laboruntersuchungen, klinische Untersuchungen, Fragebögen), standardisiert erfasst und ausgewertet.
Im Rahmen der Studie soll die Vorhersagekraft des Krankheitsverlaufs mittels Krankheitsaktivität und Biomarkern über einen Zeitraum von 10 Jahren untersucht werden. Dabei stehen Fragen zur Krankheitsaktivität (NEDA als möglicher Frühindikator für den Langzeitverlauf), die Validierung von Prognosemodellen sowie Versorgungs- und Lebensqualitätsaspekte im Fokus.
Die Datenerhebung erfolgt mittels standardisierter und strukturierter Untersuchungsverfahren, deren Ergebnisse direkt klinischen Analysen zur Verfügung gestellt werden. Die gesamte Organisation übernimmt das Studienzentrum. Die Untersuchungen und Probenentnahmen finden im Rahmen der für die MS-Versorgung ohnehin notwendigen Vorstellungstermine statt. In diesem Rahmen werden klinische und apparative Daten erhoben. Diese umfassen Informationen über den Erkrankungsverlauf, neurologische Standarduntersuchungen und Tests, Fragebögen, standardisierte MRTs und Bioproben.
Dieses medizinisch-wissenschaftliche Forschungsvorhaben zielt durch die Nutzung routinemäßig erhobener, standardisiert erfasster Parameter auf eine Verbesserung des Verständnisses des Krankheitsverlaufs bei Patientinnen und Patienten nach der Diagnosestellung einer MS Erkrankung ab. Die Identifikation von Merkmalen soll es ermöglichen, den Krankheitsverlauf zum Zeitpunkt der Diagnose vorherzusagen und so frühzeitig eine personalisierte Behandlungsentscheidung treffen zu können.
Use-Case-Leitung:
Direktor der Klinik für Neurologie
Klinikum rechts der Isar
Oberarzt Institut für Klinische Neuroimmunologie
LMU Klinikum der Universität München
Leiter der Neuroimmunologischen Ambulanz
Universitätsklinikum Tübingen
Leiter der Sektion Klinische Neuroimmunologie, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Augsburg
Leiter der MS-Sprechstunde Neurologische Uniklinik Ulm
Leiterin der MS-Sprechstunde
Neurologische Uniklinik Ulm
Leitung DIFUTURE Analysegruppe LMU, Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie