Eröffnet wurde das Symposium von Sebastian C. Semler, Leiter der Koordinationsstelle der Medizininformatik-Initiative (MII) und Geschäftsführer der TMF e.V., sowie Jens Bussmann, Generalsekretär des Verbandes Die Deutschen Universitätsklinika (VUD). Diese beiden Organisationen bilden mit dem Medizinischen Fakultätentag die Geschäftsführung der Koordinationsstelle der MII. Förderer der MII ist das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).
Das Symposium stand unter dem Motto „Zukunft Gesundheit: Daten nutzen. Vernetzung fördern. Innovation gestalten. Zehn Jahre Medizininformatik-Initiative – Grundlage für Forschung, Versorgung und digitale Souveränität in Europa“ und fand im dbb forum berlin statt.
Sebastian C. Semler blickte in seinem Eingangsvortrag „10 Jahre Medizininformatik-Initiative“ zurück: 2016 habe Deutschland ein fragmentiertes Gesundheitssystem mit vielen Standards und rechtlichen Hürden für multizentrische Forschung gehabt. „Heute gibt es hierzulande grenzübergreifende föderierte Dateninfrastrukturen mit Datenintegrationszentren, einen Kerndatensatz, übergreifenden Use Cases und zusätzlichen Rechtsgrundlagen“, machte Sebastian C. Semler deutlich. Ein zentraler Zugangspunkt sei das Forschungsdatenportal Gesundheit (FDPG). „Die MII hat für den Europäischen Gesundheitsdatenraum die entscheidende Grundlage gelegt“, sagte Sebastian C. Semler. „Die Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit sind die nächste Ausbaustufe der MII. Die MII-Standards werden etwa im Netzwerk Universitätsmedizin und im Rahmen von NFDI4Health nachgenutzt. Dies alles bietet eine gute Grundlage für den Forschungsstandort Deutschland.“
Die Keynote hielt Prof. Dr. Björn Eskofier, Leiter des Lehrstuhls für KI-unterstützte Therapieentscheidungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Keynote mit dem Titel „KI für die Gesundheitsversorgung der Zukunft – Wie Daten zu(r) Medizin werden“ machte deutlich, dass die Medizin der Zukunft datengetrieben sein werde. „Entscheidend ist, Gesundheitsdaten aus Forschung und Versorgung in der Breite und Tiefe so nutzen zu können, dass auf dieser Grundlage tatsächlich präzisere und personalisiertere Medizin ermöglicht wird“, so Prof. Eskofier. KI werde Ärztinnen und Ärzte zunehmend bei Diagnostik und Therapie unterstützen. Damit KI ihr Potenzial für Patientinnen und Patienten entfalten könne, brauche es nachhaltige Dateninfrastrukturen und klare wissenschaftspolitische Strategien. Mit der MII und dem European Health Data Space (EDHS) entstünden auch in Deutschland und Europa wichtige Grundlagen für die künftige Entwicklung.
Anschließend sprach Matthias Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär im BMFTR, ein Grußwort. „Die MII hat gezeigt, was möglich ist, wenn Wissenschaft, Versorgung und Politik gemeinsam den digitalen Aufbruch wagen. Mit Ihrer Pionierarbeit haben Sie eine zukunftsweisende Dateninfrastruktur aufgebaut", betonte Matthias Hauer. Er wies auf das Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG), über das Forschende Zugang zu umfangreichen Gesundheitsdatensätzen enthalten. Das FDPG enthält unter anderem über 3 Milliarden Laborwerte. Das FDPG mache die Daten der Universitätsmedizin bundesweit verfügbar. „So wird unsere Gesundheitsforschung KI-fähig. Ihre Arbeit hat dieses starke Fundament geschaffen“, betonte Matthias Hauer. Das BMFTR hat die MII in den vergangenen zehn Jahren mit über 500 Millionen Euro gefördert. Bereits heute eröffne die MII der Forschung neue Wege und verändere den Klinikalltag, betonte Matthias Hauer.
Die erste Session „Von der Forschung in die Klinik: Anwendungen und Erfolge der Medizininformatik-Initiative“ zeigte exemplarisch, wie die MII datengetriebene Innovationen aus vielfältigen Bereichen in die Versorgung überführt. Im Zentrum standen konkrete Use Cases aus Kardiologie, Onkologie, Arzneimitteltherapiesicherheit und Textverarbeitung sowie Perspektiven aus Projekten außerhalb der MII. Den Start machte Prof. Dr. Sven Zenker (Universitätsklinikum Bonn) mit dem MII-Projekt ACRIBiS: In ACRIBiS wurde eine standortübergreifende, standardisierte Routinedokumentation etabliert, um IT-gestützte Risikomodelle für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln. Bereits mehr als 3 000 Patientinnen und Patienten wurden in die Studie eingebunden. Als nächstes präsentierte Prof. Dr. Andreas Ziegler (Universitätsklinikum Heidelberg) INTEGRATE-ATMP. Das Projekt adressiert die verbesserte Versorgung durch Arzneimittel-Register, ein klinisches Dashboard und eine Patientenapp – unter anderem auf Basis von MII-Daten aus den Datenintegrationszentren (DIZ). Dr. Christian Müller (Bayer AG) zeigte mit DATA-Insight Potenziale und Limitationen der Datennutzung über das FDPG und das Forschungsdatenzentrum (FDZ) auf. Prof. Dr. Dr. Melanie Börries (Universitätsklinikum Freiburg) demonstrierte mit PM4Onco, wie Krebsregisterdaten zusammengeführt werden können, um Forschung zu seltenen Krebserkrankungen zu ermöglichen. Dr. Daniel Neumann (Universität Leipzig) stellte das Projekt INTERPOLAR vor, in dem bereits zehntausende medikationsbezogene Probleme in Versorgungsdaten identifiziert wurden. Justin Hofenbitzer (TUM Klinikum rechts der Isar) zeigte mit GeMTeX, wie klinische Texte durch Annotation für KI nutzbar gemacht werden.
In Session 2 ging es in einem Panel und in Inputs um „Regulatorische Entwicklungen durch MDR & AI-Act: Chancen, Strategien und Auswirkungen auf akademische Projekte“. Prof. Dr. Myriam Lipprandt von der RWTH Aachen klärte die Begriffe Translation und Transfer. Erster sei der zielgerichtete Prozess von der Grundlagenforschung über die klinische Forschung in die klinische Routine. Innovationen durchliefen dabei einen Reifeprozess und unterlägen so regulatorischen und organisatorischen Anforderungen. Transfer sei die Überführung von Innovationen bzw. Wissen und Technologien aus der akademischen Welt in die Industrie und damit in den kommerziellen Markt. Das von Prof. Lipprandt vorgestellte Projekt "fit4translation" sensibilisiert Forschende für regulatorische Erfordernisse und unterstützt etwa ihre Forschungsprojekte bei Planung und Beantragung. Der zweite Referent war Dr. Oliver Bujok von der innoVance GmbH, einem Unternehmen mit dem Fokus auf Gesundheitswirtschaft, Medizintechnik und Digital Health-Anwendungen, das unter anderem Beratung in diesen Bereichen anbietet. Dr. Bujok sprach über "Die geplante MDR-Reform und ihre Auswirkungen auf die akademische Produktforschung zu Medizinprodukte-KI" und ging dabei etwa auf die regulatorischen Anforderungen an Medizinprodukte-KI ein sowie Reformen der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR). Er betonte die Rolle des Medizinprodukterechtes und ging auch auf regulatorische Themen der KI-Verordnung ein.
Session 3 „Die MII-Infrastruktur erfolgreich nutzen: FDPG und DIZ ermöglichen Datennutzungsprojekte“ zeigte, wie die MII-Infrastruktur über FDPG und DIZ Datennutzungsprojekte ermöglicht. Dr. Philip Overton von der Koordinationsstelle der MII stellte die aktuellen Angebote des FDPG vor. Anwendungsbeispiele reichten von Datenanalysen im SMITH-Kontext, so Prof. Toralf Kirsten, bis zu klinischen Fragestellungen wie vaskulären Resektionen in der Pankreaschirurgie, ergänzte Diana Dr. Pietzner. Dr. Jakob Zierk beschrieb, dass im Projekt PEDREF 2.0 untersucht wurde, wie Gesundheitsdaten von Kindern genutzt und Blutproben validiert werden könnten – basierend auf Daten von rund 750.000 Kindern. Prof. Irit Nachtigall demonstrierte, wie MII-Daten geschlechterspezifische Unterschiede bei Sepsis sichtbar machten. „Frauen sterben häufiger an Infektionen oder leiden stärker unter LongCOVID und Post-Sepsis, während Männer teils besser immun reagieren“, erklärte Irit Nachtigall. FDPG und DIZ schafften eine belastbare Datenbasis, um medizinische Unterschiede evidenzbasiert zu analysieren und daraus Konsequenzen für die Versorgung abzuleiten.
Session vier „Die Rolle der Datenintegrationszentren in der MII: Status quo, Entwicklung und Herausforderungen“ widmete sich dem aktuellen Stand und den Herausforderungen der DIZ mit unterschiedlichen inhaltlichen Fokusthemen. Dr. Jan Gewehr (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) stellte das „Datenhotel“ als sichere Forschungsumgebung vor, in der Versorgungsdaten analysiert werden können, ohne dass die das Klinikum verlassen. Dr. Danny Ammon (Universitätsklinikum Jena) fokussierte Interoperabilität: Das Team engagiert sich in nationalen Gremien und treibt Standardisierung voran. „Mit dem Community-Gedanken kommen wir zum Ziel der Interoperabilität“, sagte Danny Ammon. Diese sei durch die ePA inzwischen Grundvoraussetzung. Prof. Dr. Thomas Ganslandt (Universitätsklinikum Erlangen) hob die Rolle von Management und Organisation hervor, etwa in Ressourcenplanung, Qualitätsmanagement sowie Datenbereitstellung und Studienbetrieb. Dr. Angela Merzweiler (Universitätsklinikum Heidelberg) adressierte strukturelle und regulatorische Herausforderungen und Erfolge: Aufbau von Datenmanagement, komplexe ETL-Prozesse, die Implementierung von FHIR bzw. OMOP, aber auch steigende Anfragen und ein wachsender Datenbestand.
Session 5 „Next Gen MII – Daten, Ideen und Impulse für die Medizin von morgen“ wurde moderiert von Lara Marie Reimer und Anne Seim. In dieser Session präsentieren die Nachwuchsgruppen (NWG) der MII ein frisches Format: einen Science Slam. Anne Seim eröffnete die Session mit einem eigenen Science Slam und betonte die zentrale Bedeutung von Vernetzung innerhalb der MII. Im Anschluss veranschaulichte Sasanka Potluri (Leitung NWG KI-Lov), wie KI-gestützte Methoden dazu beitragen können, unter anderem die Dienstplanung und den Patiententransport zu erleichtern. Mit seinem Beitrag „Lost in translation? TOP or flop!“ widmete sich Alexandr Uciteli (NWG-Leitung TOP) den Herausforderungen bei der Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis. Mit dem in den NWG entwickelten TOP Framework zeigte die Gruppe in einem Videoformat, wie Phänotyp-Modelle und Search Ontologies von Experten ohne IT-Kenntnisse entwickelt und auf den gewünschten Datenquellen ausgeführt werden können. Fabian Kahl und Leon Nissen (NWG NDE Mobil) boten mit „NDE-Mobil: The UK Biobank“ einen dialogischen Einblick, ob die UK Biobank die perfekte Biobank sei. Gekürt wurde der Sieger durch das Publikum mittels Live-Abstimmung.
In Session 6 „Brücken bauen zwischen Forschung und Wirtschaft: Translation durch MII-Partnerschaften“ diskutierten unter der Moderation von Sebastian C. Semler Dr. Mehmet Akyüz (TriNetX Europe) und Dr. André Sander (ID Berlin) zentrale Erfolgsfaktoren und Herausforderungen von Partnerschaften innerhalb der MII. Dr. Mehmet Akyüz (TriNetX Europe) betonte die Bedeutung standortbasierter Kooperationen sowie die Fortschritte in der Dateninfrastruktur und bei interoperablen Standards. Auch Herr Dr. Sander hob hervor, dass die MII wichtige Impulse gesetzt habe – etwa bei der Etablierung von Standards wie FHIR und SNOMED. Kritisch angemerkt wurde jedoch, dass die Translation in die Routineversorgung weiterhin ausbaufähig sei. Gefordert wurden eine stärkere Nutzung bestehender Lösungen, frühzeitige Kooperationen und ein kontinuierlicher Dialog. Herausforderungen bestehen insbesondere in regulatorischen Rahmenbedingungen und Datenschutzfragen. Zugleich wurde betont, dass die MII einen wesentlichen Beitrag zur Datenqualität in Deutschland leiste.
Tag 2: Jahressymposium der Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit und Fortsetzung des Symposiums der MII
Das Jahressymposium der Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit, kurz DigiHubs, eröffneten Prof. Dr. Martin Sedlmayr vom DigiHub MIHUB in Dresden, sowie Sebastian C. Semler, Leiter der Koordinationsstelle der DigiHubs und Geschäftsführer der TMF e.V.
Die Keynote hielt Dr. Johanna Ludwig, Leiterin der Stabsstelle Versorgung bei der gematik GmbH. „In den abstrakten Diskussionen um Digitalisierung in der Medizin geht oft unter, dass es um echte Menschen - und uns selbst geht,“ betonte Dr. Johanna Ludwig. Anschaulich zeigte Dr. Ludwig anhand von Beispielen aus ihrer Praxis als Unfallchirurgin, wie wichtig es sei, den Überblick über sämtliche Befunde zu haben: Unspezifische Symptome wie Rückenschmerzen könnten Hinweise auf lebensbedrohliche Zustände sein. Entscheidend sei, dass Ärztinnen und Ärzte sektorenübergreifend und ohne Informationsverluste auf relevante Befunde zugreifen könnten. Digitalisierung sei essentiell. Gelingen könne die Digitalisierung aber nur, wenn die gemeinsam mit den Menschen umgesetzt werde. „Die elektronische Patientenakte bringt uns nichts, wenn sie nicht genutzt wird. [...] Wir brauchen Akzeptanz bei den Patienten." Nur auf dieser Basis könne die Medizin auf das nächste Level gebracht werden.
Die der Keynote folgende Session 7 „Vernetzte Versorgung ermöglichen: Ergebnisse, Erfahrungen und Perspektiven aus den Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit“ stellte die Ergebnisse der DigiHubs vor, die vor Kurzem in ihre zweite Förderphase gestartet sind. Prof. Dr. Martin Sedlmayr von MIHUB aus Dresden betonte den Übergang von der Universitätsmedizin hin zu nicht-universitären Akteuren, um Datenflüsse sektorenübergreifend zu erweitern und Versorgung ganzheitlicher zu gestalten. Im CAEHR-Projekt zeigten Dr. Christian Hametner und Dr. Hans Worthmann eine Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Schlaganfallzentrum, die durch parallele digitale und telefonische Voranmeldung eine schnellere Versorgung ermöglicht. Andreas Bleilevens machte bei DISTANCE:PRO deutlich, dass heterogene Strukturen die Zusammenarbeit erschwerten, während flexible Integrationsstrategien, klare Prozesse und enger Austausch den Erfolg förderten. Viola Pongratz präsentierte im MIDIA-Hub digitale Lösungen zur sektorenübergreifenden Versorgung. Den Abschluss der Session bildete Hannes Schlieters mit dem MiHUB-Projekt, der das Patientenportal zum Thema Onkologie vorstellte und das zur Stärkung von Transparenz und Beteiligung mittels Patient-Empowerment beiträgt. Insgesamt wurde das Potenzial digitaler Lösungen sichtbar, auch wenn Herausforderungen bei Standards, Vergütung und Übertragbarkeit bestünden.
Session 8 „Sektoren vernetzen, Versorgung verbessern, Forschung stärken: die gemeinsame Zukunft der Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit“ bildete den Abschluss des Digihub-Kongresses. In der Paneldiskussion wurden zentrale Herausforderungen und Perspektiven der DigiHubs beleuchtet. Im Fokus stand die Frage, wie neue, interoperable Strukturen insbesondere für die ambulante Versorgung geschaffen werden können. Prof. Gernot Marx vom Hub DISTANCE:PRO aus Aachen betonte, dass die Universitätsmedizin allein nicht ausreiche, um die Breite der Versorgung abzudecken – vielmehr brauche es skalierbare Ansätze und nachhaltige Services über die Förderphase hinaus. Dies werde mit den Digihubs fokussiert und durch eine Hub-Übergreifende Zusammenarbeit gestärkt. Anhand von Beispielen wie dem CARE:ecoHub und dem Digihub DECIDE wurde deutlich, wie digitale Lösungen – etwa Telemedizin oder Wearables – Versorgung verbessern und insbesondere im ländlichen Raum zur Stärkung der Patientennähe beitragen können. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass die Generierung und Nutzung strukturierter Daten eine zentrale Voraussetzung für Fortschritt sei. Als wesentliche Hürden wurden fehlende Standards, regulatorische Anforderungen sowie mangelnde Anreize identifiziert. Auch Akzeptanz, Vertrauen und der konkrete Mehrwert für Anwender spielten eine entscheidende Rolle.
Session 9 „Gemeinsam lernen: Erkenntnisse und Perspektiven aus den MII-Arbeitsgruppen“ bot Einblicke und Perspektiven aus den MII-Arbeitsgruppen. Unter der Moderation von Dr. Frank Wissing vom Medizinischen Fakultätentag diskutierten die AG-Sprecherinnen und -Sprecher über Herausforderungen und Erfolge beim Datenmanagement, der Kommunikation und dem Datenschutz in der medizinischen Forschung. Prof. Thomas Ganslandt berichtete aus der AG IOP über interoperable Plattformen, während Dr. Claudia Heine die Erfahrungen der AG Kommunikation vorstellte. Dr. Elisa Henke und Prof. Toralf Kirsten gaben Einblicke in die Nutzung externer Daten und Data-Sharing-Strukturen, und Gabriele Müller erläuterte die Rolle von Consent-Management in der Praxis. Die Diskussion zeigte, wie die Arbeitsgruppen der MII gemeinsam Standards entwickeln, den Wissenstransfer fördern und die Grundlage für eine effiziente und datenschutzkonforme Nutzung medizinischer Daten schaffen.
Session 10 „Anschlussfähigkeit der MII-Strukturen an andere Strukturen“ beleuchtete die Anschlussfähigkeit der MII-Strukturen an andere nationale und europäische Dateninfrastrukturen. Unter der Moderation von Dr. Frank Wissing wurden unterschiedliche Initiativen vorgestellt, die die MII mit übergeordneten Systemen verknüpfen. Dr. Marie Gebhardt von der Koordinationsstelle der MII und Dr. Carina Nina Vorisek erläuterten die Integration von NFDI4Health in die Gesundheitsdateninfrastruktur-Landschaft, während Dennis Appelt das MII-Gaia-Projekt präsentierte, das Health-X- und Gaia-X-Strukturen mit MII/NUM verbindet. Prof. Dr. Sylke Zeissig stellte das ENRICH-Projekt vor, Prof. Thomas Berlage präsentierte genomDE als Vorreiter europäischer Gesundheitsdateninfrastrukturen. Abgerundet wurde die Session durch Maro Bader, der die Kooperation zwischen TMF e. V. und sphin-X e.V. erläuterte. Die Beiträge verdeutlichten, wie MII-Strukturen interoperabel gestaltet werden, um nationale und europäische Forschungsprojekte effektiv zu unterstützen.
Die letzte Session des Symposiums „Medizininformatik im Wandel – Rückblick, Dynamik und Zukunftsperspektiven“ bot einen Rückblick auf Entwicklungen, aktuelle Dynamiken und zukünftige Perspektiven der Medizininformatik. Moderiert von Sebastian C. Semler, diskutierten die Panelteilnehmer die Fortschritte der MII-Projekte und deren Einfluss auf Forschung und Versorgung. Prof. Martin Boeker, Prof. Christoph Dieterich, Prof. Markus Löffler und Prof. Ulrich Prokosch berichteten aus ihren jeweiligen Konsortien DIFUTURE, HIGHmed, SMITH und MIRACUM über technische Entwicklungen, Datenintegration und praxisnahe Anwendungen in Klinik und Forschung. Prof. Martin Sedlmayr ergänzte die Diskussion durch Einblicke in die Rolle der DigHubs bei der Vernetzung von Forschung, Industrie und Versorgung. Die Paneldiskussion zeigte, wie die Medizininformatik sich in den letzten zehn Jahren stetig weiterentwickelt, Innovationen vorantreibt und gleichzeitig die Grundlage für eine datengetriebene, patientenorientierte Gesundheitsversorgung gelegt hat und legt.