Die Konsortien der Medizininformatik-Initiative (MII) und damit alle universitätsmedizinischen Standorte haben sich auf einen gemeinsamen Kerndatensatz geeinigt, der auf internationalen IT- und Terminologie-Standards beruht und zentrale Voraussetzung für die gemeinsame Nutzung von Daten ist. Mit dem Kerndatensatz haben die universitätsmedizinischen Standorte in den Arbeitsgruppen der MII konsortienübergreifend festgelegt, welche Datensätze die Datenintegrationszentren der MII für alle stationären Patientendaten mindestens vorhalten sollen, und zwar unabhängig von der Indikation und vom jeweiligen Use Case des Konsortiums. Das gewährleistet die Interoperabilität zwischen den Datenintegrationszentren, deren Aufbau auf unterschiedlichen Konzepten beruht.
©3dkombinat - stock.adobe.com

Die Daten in der Patientenversorgung liegen in sehr heterogener Form vor. Sie stammen aus unterschiedlichen klinischen Anwendungssystemen, sind zum Teil unstrukturiert und unterscheiden sich in Umfang sowie Datenformaten und Dateninhalten. Entsprechend stehen die Standorte der Datenintegrationszentren nicht nur vor der Herausforderung, rein technisch Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen, sondern diese auch soweit zu normieren, dass sie mit vertretbarem Aufwand und beurteilbarer Datenqualität auswertbar und damit für unterschiedliche medizinische Forschungsfragestellungen erschließbar werden. Diese Festlegungen müssen standort- und konsortienübergreifend harmonisiert werden, um bundesweit eine sinnvolle Nutzung der Daten in den Datenintegrationszentren zu ermöglichen.

Der MII-Kerndatensatz ist in Module unterteilt und besteht aus Basis- und Erweiterungsmodulen. Die Basismodule sind fachlich übergreifend definiert. Die Erweiterungsmodule bilden Daten spezifischer Anwendungs- bzw. Fachgebiete ab und können je nach Forschungsfragestellung in Datenabfragen einbezogen werden. Der MII-Kerndatensatz unterliegt einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, die bedarfsgerecht, nachhaltig und international abgestimmt erfolgt.

 

MII Kerndatensatz Module
Blockschema des Kerndatensatzes: Bezüge aus den einzelnen Modulen können sowohl zu einzelnen Behandlungsfällen oder auch nur zur Person hergestellt werden. Querbezüge zwischen den Modulen sind möglich (und wünschenswert). Das Modul Strukturdaten enthält Daten ohne Patientenbezug und hat daher keine Verbindungen zu den restlichen Modulen.

Eine erste Version des MII-Kerndatensatzes wurde im März 2017 als textuelle Beschreibung verabschiedet. Ausschlaggebend für die Aufnahme von Modulen in den Kerndatensatz waren folgende Kriterien:

  • Relevanz für Forschung und Patientenversorgung
  • Relevanz für die Use Cases der Konsortien
  • Verfügbarkeit und Erschließbarkeit an den Standorten
  • Strukturierungsgrad und Verfügbarkeit von Terminologien

Im Kerndatensatz wird nicht nur der Datenumfang festgelegt, es werden vielmehr auch Festlegungen zur Standardisierung der medizinischen Inhalte unter Nutzung internationaler Standards getroffen. So wurde festgelegt, dass der Kerndatensatz im Format HL7 FHIR technisch repräsentiert wird. Für die (Weiter-)Entwicklung des Kerndatensatzes werden die Werkzeuge ART-DECOR für die Datensatzmodellierung und Forge/Simplifier.net für die Erstellung und Veröffentlichung von Profilen im Standard HL7 FHIR verwendet. Je nach Modul werden für die semantische Kodierung geeignete Terminologien verwendet, zum Beispiel LOINC im Modul Laborbefunde.

Aktuelle Dokumente:

Download Geschäftsordnung für die Weiterentwicklung des MII-Kerndatensatzes
       Version 3.0 (26.06.2021) [PDF | 660 kb]

Vorläufer-Dokumente:

Download Kerndatensatz der Medizininformatik-Initiative
       Version 1.0 (10.03.2017) [PDF | 579 kb]

Weitere Informationen:

Zu den Basismodulen des Kerndatensatzes der MII (mit Implementierungsleitfäden)